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Wir im Elsetal ...

Wendung zum Leben

Ich wollte letztes Jahr  Karsamstag Schokoladenostereier kaufen, da waren schon alle leckeren weg. Natürlich  - denn wer mag die schon nach Ostern noch essen, sagen manche. Aber Moment mal, beginnt nicht mit Ostern eigentlich erst die Osterzeit. Und besteht im Feiern des Osterfestes nicht eine süße Pointe darin, bis dahin wenig Schokolade zu essen und dann aber richtig?

Auf jeden Fall geht die Osterzeit ehrlich gesagt bis Himmelfahrt.  40 Tage, denn solange ließ sich nach den biblischen Schriftstücken Jesus als Auferstandener bei seinen Jüngern sehen, er erschien ihnen immer wieder.

Schokoladeneier hin oder her. Was ist nun aber der Sinn von Ostern? Einen Sinn finde ich besonders deutlich in der Geschichte von Maria Magdalena dargestellt. Ostern: Wendung zum Leben.

Am Ostermorgen war sie mit Freundinnen zum Grab gegangen, sie wollten den Leichnam von Jesus salben. Und dann unterwegs fiel ihnen ein: „Wie bekommen wir denn den Stein vor dem Grab beiseite gerollt, der ist doch so schwer?“

2013 als wir in Israel waren haben in dem Garten des King David Hotel ein Grab gesehen, das nicht das Grab von Jesus war aber sehr gut zeigte wie solche Gräber damals aussahen: Sie waren in den Fels gehauen, und in einer Steinrinne konnte ein großer mühlsteinrunder Stein vor die Graböffnung gerollt werden und wieder zurück.

Nun als die Frauen ankamen ist der Stein schon beiseite, vor lauter Aufregung rennen sie zurück, sagen es den Freunden von Jesus. Die rennen los, Maria aus Magdala hinterher. Und als sie dann wieder ankommt, ist sie in ihrer Trauer ganz gedrückt. Sie beugt sich in das Grab und zwei Engel fragen sie warum sie weint , sie äußert ihren Kummer über den Tod von Jesus und dass er nun nicht mehr im Grab liegt. Weiter kommen die Engel gar nicht zu Wort, denn getrieben von ihrem Kummer wendet Maria sich schon wieder um - hinaus aus dem Grab und ist immer noch auf der Suche nach dem gestorbenen Jesus. Da spricht sie jemand an. Sie denkt es ist der Gärtner. Der fragt sie: „Warum weinst du, wen suchst du?“ Sie blickt es nicht. Sie erkennt ihn nicht. Sie rennt mit gesenkten Blick an ihm vorbei. Und fragt ihn, indem sie schon an ihm vorbeigeht: „Wenn du ihn weggebracht hast, sag mir doch, wo liegt er denn?“ Und so ganz gefangen in ihrer Trauer, in sich selbst, ist bereits an ihm vorbeigegangen. An dem auferstandenen Jesus Christus. Und nun? Durch ihr Vorbeigehen muss nun der Auferstandene sich wenden, ihr zu  und ruft ihr hinterher: „Maria“ spricht sie mit Namen an. Und da erst in dem Gerufensein, mit Namen gemeint sein, erkennt sie ihn und dreht sich um und sagt „Mein Meister“. Jetzt hat sie die Auferstehung im Blick. In diesem Monet geschieht eine Wandlung in ihr. Sie wendet sich dem Auferstandenen zu. Das ist die Ursekunde des Glaubens. Sich dem Auferstandenen zu zuwenden.

Aber das was Menschen im Glauben tun, ist nichts anders als Antwort. Denn Jesus Christus ruft uns, meint uns persönlich. „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen!“ Und er wendet sich uns zu. Das ist das Entscheidende. Wir von uns aus sind so mit uns und allem möglichen in unserem Leben beschäftigt, dass wir an Gott von uns aus vorbei laufen, und durch unser an Gott Vorbeilaufen zwingen wir Gott gewissermaßen sich uns zu zuwenden. Und das tut er in und durch Jesus Christus. Die ganze Geschichte von Jesus Christus von Geburt über Kreuzigung bis zur Auferstehung st nichts anderes als diese eine Geste: Gott wendet sich uns zu! Und in dieser doppelten Wendung von Jesus Christus zu uns (geboren werdend, sterbend, auferstehend) und uns zum ihm -  hörend, antwortend, glaubend - geschieht Ostern innerlich für die Menschen.

In diesem Bewusstsein zu Leben, heißt im österlichen Licht zu leben.

Ihr Andreas Hirschberg

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